Call of Duty: Infinite Warfare / Battlefield 1


(Daniel) #1

Ich hege jenseits von Zynismus eine große Faszination für die Call of Duty-Reihe und bin wirklich gespannt auf den nächsten Teil. Noch interessanter ist aber das Remake von Modern Warfare, das ganz am Ende vom Trailer gezeigt wird.


Ich freue mich auf...
(Daniel) #2

Im Filmshooter-Genre nichts neues, gewohnt einfache, unbeeindruckende Spielekost. Gehöre da wohl der meckernden Fraktion an, die nach ‘Modern Warfare’ nichts mehr mit den CoD anfangen konnte. War eines der letzten Spiele, die ich aktiv und lange im Multiplayer gespielt habe, trotz Killstreak- und Spawn-Grütze, aber dafür hatte man noch dedizierte Server und Mods zum fixen.
Das Remake (Remastered?) am Ende des Videos stimmt mich eher traurig. Aber hey, dann kann man den letzten guten Teil aus der Reihe mal mit kostenpflichtigen Map-Packs versehen. Würden die ihrer Linie in Sachen Preispolitik auch mit treubleiben.


#3

Hmmm, die ersten beiden “Black Ops”-Teile haben ein paar interessante Dinge gemacht (Black Ops 1 hatte für ein Call of Duty eine interessante Geschichte und Black Ops 2 ist noch immer in dem Genre einzigartig mit seinem sehr subtilen Entscheidungen, die man treffen kann). Und selbst Black Ops 3 würde ich gerne irgendwann nachholen (Ein cyberpunkiges CoD bei dem man das Geschlecht frei wählen kann? Hui!).

TL;DR: Ich halte von CoD auch nicht viel (WAS HABT IHR SPACE ODDITY ANGETAN AAAAAAAH), aber manchmal… manchmal gibt es Lichtblicke. :wink:


(Daniel) #4

Klar, spielerisch ist das alles durchinszeniertes Popcornkino. Aber ich finde gerade an den “Warfare”-Teilen die Haltung sehr spannend: Einerseits sind sie recht deutlich gegen den Krieg, aber bedingungslos für die US Army sind. Besonders gut gelingt dieser Spagat in den ersten Teilen und Modern Warfare, aber auch in Advanced Warfare ist der Feind eben nicht eine ominöse Terrororganisation, sondern jemand der die guten und aufrechten Soldaten der Army ausnutzt und missbraucht. Auch im neuen Trailer wird das meines Erachtens wieder deutlich.


(Pat86) #5

Wie die Hälfte es downvoted und alle in der YT-Kommentaren abkotzen

meme

am Ende verkündet Activision wieder, dass es das bestverkaufte CoD aller Zeiten ist.


(Daniel) #6

Der Trailer für das neue Battlefield ist da und inszeniert den ersten Weltkrieg mit Steampunk und Rockmusik als irgendwie “cooles” Spektakel.

Damit scheint er für viele eine Grenze überschritten zu sein. Auf Twitter sah ich bisher fast nur extrem negative Reaktionen – absolut nachvollziehbar. Der erste Weltkrieg ist in jedem Medium bisher ein Tabu im Vergleich zu anderen Kriegen. Im gegensatz zum zweite Weltkrieg, Vietnam oder dem Irak herrscht beim 1. Weltkrieg auch in Literatur, Film und Spielen eine einzigartige Ernsthaftigkeit.

Ein wenig überrascht mich die Reaktion dann aber doch, denn eigentlich hat sich bei Battlefield nichts verändert: ob Polizeigewalt oder Napalm-Angriffe, DICE hat nie viel darauf gegeben, reale Referenzen mit Fingerspitzengefühl anzufassen.

Wir haben im internen Chat auch schon hitzig diskutiert und deshalb trage ich die Diskussion jetzt mal hier ins Forum: Wann überschreiten (unterhaltsame) Spiele eine Grenze? Wie sollten/können/dürfen/müssen/… Spiele (oder Medien im Allgemeinen) mit (realen) Kriegen oder historischen Hintergründen umgehen?

Interessant finde ich übrigens noch zu erwähnen, dass Battlefield die Harlem Hellfighter etwas bekannter macht – ich kannte deren Geschichte vorher nicht.


#7

Vielleicht ist nach diversen Ausflügen der beiden großen Ego-Shooter-Reihen in Gegenwarts- und in Zukunfts-Szenarien nun vielleicht ein Bewusstsein dafür entstanden, wie problematisch so ein unkritisches Abfeiern historischer Kriege ist? Oder, wie Daniel geschrieben hat, könnte es sein, dass der erste Weltkrieg in der kulturellen Wahrnehmung so viel schrecklicher ist? Es gibt viele Filme, die den zweiten Weltkrieg glorifizieren, aber es gibt nur wenige, die das bei WWI tuen. Eher im Gegenteil.


#8

#rantbemerkung







(Daniel) #9

Ich seh grad auf Twitter, dass die Kritik an Battlefield 1 ein Stück weit delegitimiert wird, weil es sie an früheren Kriegsspielen so nicht gab. Das übersieht, dass viel der Kritik speziell an Battlefields extrem unsensiblen Umgang mit einem realen Thema gerichtet ist… und das ist ja nun nichts neues.


#10

Leute mit ihrer “War doch schon immer so!”-Argumentation. :rolling_eyes:


(Daniel) #11

Naja, aber das war doch schon immer so. :jonas:


#12

:jonas:


(Hamid al-aSak) #13

Ich, meist überzeugter Pazifist, will dann doch mal eine Lanze dafür brechen. Alle Kritik, insbesondere hinsichtlich Gasangriffen, realer Tode, der romantischen Verklärung von Krieg und auch der Stadionmusik, ist gerechtfertigt. Natürlich ist sie das. Vielleicht ist sie sogar notwendig.

Tatsache ist aber auch, dass “die Zielgruppe”, so es eine solche gibt, seit langer Zeit keinen 1st-Person-Shooter – in diesem Setting mit zugleich relativ hohem Produktionswert – sehen bzw. spielen durfte. Vor gefühlten 15 Jahren war der Zweite Weltkrieg das Thema im Genre, so lange, bis niemand es mehr sehen wollte. Der Erste Weltkrieg bietet dahingehend neue Inhalte. Und gerade die heute geradezu archaisch anmutenden Waffen und Grabenkriegsführung eröffnen Möglichkeiten und Perspektiven, die man in den letzten Jahren so nicht sah.

Ebenso komme ich nicht umher, die bisher stets umwerfende Umsetzung der auditiven Komponenten in den Battlefield-Teilen anzumerken. Selbst wenn ein so ernstes Thema, Krieg, auf Spielspaß runtergebrochen wird, so ist der Sound dabei stets beeindruckend und vermittelt zumindest ein rudimentäres Gefühl dafür, wie sich das in der Echtwelt so anhört. Ob und wie das zu bewerten ist, lasse ich an dieser Stelle einmal offen.

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel in die Shooter der vergangenen Jahre hinein, aber ich will glauben, dass die virtuelle Auseinandersetzung mit solchen Ereignissen, wenngleich immer unzureichend, die Begeisterung für Krieg innerhalb der Zielgruppe nicht steigert, sondern senkt. Es sind eben nicht mehr nur Geschichten aus Büchern, von den Großeltern oder “bestenfalls” aus den Nachrichten, sondern ein für den/die Einzelne_n ungefährliches Erleben dessen. Das macht, im Spiel, Spaß, aber eben nur dort. Ich denke, dass auch das eine Erkenntnis ist, die man aus solchen Spielen mitnimmt.

Was mich eigentlich mehr stört, als die Verklärung jener Ereignisse, ist die Tatsache, dass sich bisher bis auf wenige Ausnahmen kein Titel an der ernsten Aufarbeitung von Krieg versucht. Wenn man dem Medium einen Kunstcharakter unterstellen will – und dabei spreche ich nicht unbedingt von EA –, dann muss man sich doch wundern, weshalb bisher weder die Ereignisse um den Beginn eines (Welt-)Krieges thematisiert wurden, noch die Aspekte, die wir heute als die größten Gräuel wahrnehmen, allen voran der Holocaust, noch die sozialen Themen, die durch das Kriegsleid berührt werden. Wir dürften uns auch sicher sein, dass gerade diese Thematiken keinen Spaß bereiten werden. Ich schweife ab…

…und habe den Faden verloren. So that’s that.


(Daniel) #14

Gerade da bin ich gesapnnt auf den Re-Release von Call of Duty: Modern Warfare. Die berühmte Hubschrauber-Szene ist ein im Mainstream selten deutlicher Kommentar zu den Anfängen der Kriegen in Afghanistan und dem Irak. Ich bin gespannt, wie die in einer modernisierten Fassung noch wirkt.

Ich glaube hier kann die Fiktionalisierung helfen, um die Entertainment-Ansprüche einer Mainstream-Produktion mit ernsten Tönen zu verbinden. Außer Wolfenstein: New Order fällt mir kein Mainstream-Kriegsspiel ein, das auch nur versucht den Holocaust zu thematisieren – und auch dieses Beispiel tut es nur indirekt und mit größter Vorsicht.


(Marcus Dittmar) #15

Was die meisten Kriegsspiele bis heute nicht mal ansatzweise transportieren können, sind die individuellen Tragödien eines jeden Krieges. Die Schuld, ein Leben zu nehmen, entwickelt sich nicht, wenn Gegner in Hundertschaften lediglich als bewegliche Zielscheiben fungieren. Genauso wenig der Widerwille und das Zögern, überhaupt seine Waffe gegen jemanden zu richten. Gerade in den Weltkriegen gab es so viele minderjährige Soldaten, die sicher anderes mit ihrem Leben vorhatten, als Kanonenfutter für einen Feind zu spielen, von dem sie nicht mal wussten, warum es überhaupt ihr Feind ist.

Derlei Dinge lassen sich in passiven Medien gut und glaubhaft darstellen, doch im Spiel bedeuten sie Kontrollverlust für die Entwicklerinnen und Entwickler. Immer nur zu fordern, ein authentisches und alle Aspekte berücksichtigendes Bild historischer Kriege nachzuzeichnen, ist zwar von der Intention her legitim, aber kaum umzusetzen und vermutlich auch kommerzieller Selbstmord - insbesondere bei etablierten Spielereihen. Und solange das nicht möglich ist, sollte man dies nicht als willkommene Ausrede benutzen, reale Dramen als spaßige Multiplayer-Ballerei zu trivialisieren. Dann lieber den CoD-Weg beschreiten und thematisch völlig abdriften.

Aber wer weiß, vielleicht wird VR einige Dinge erlebbarer machen. Zumindest in einem stark eingegrenzten Rahmen. Im Falle von Battlefield wird man jedoch bald nur noch über Server-Lags und Waffen-Balance reden und das ist dann zwar auch eine traurige Realität, aber eben eine ganz andere als jene, um die es eigentlich geht.


(Hamid al-aSak) #16

Genau das meine ich und die anschließend von dir genannten “Kindersoldaten” sind ebenso in diese Thematik einzufassen. Die Schrecken des Krieges als Schrecken zu erleben, daran hat sich – mit Ausnahme von Spec Ops: The Line – meines Wissens nach noch kein Titel versucht. Da muss man sich dem Thema schon ganz anders nähern, wenngleich die Perspektive der ersten Person dafür geradezu prädestiniert erscheint. Was aber, um wieder aufs Topic zurückzukommen, auch nicht die Aufgabe eines mehr oder weniger generischen Battlefield-Titels sein kann, denke ich, denn das zu fordern ist, wie du schreibst

Unsere Meinungen gehen, wie mir scheint, nur in der Konklusion auseinander. Während du schreibst, dass man – zumindest interpretiere ich das – auf Trivialisierungen à la Battlefield verzichten sollte, “solange [eine differenzierte Behandlung] nicht möglich ist”, sehe ich in Titeln wie Battlefield 1 eine Chance, die angerissenen Thematiken überhaupt in den Diskurs zu bringen. So geschmacklos der Einsatz von Giftgas in einem Multiplayer-Spaßtitel erscheinen mag, so eröffnet er die Debatte über Grenzen des Mediums, darüber, ob man sollte und warum nicht und über die Sache an sich. Wer von uns im behüteten Mitteleuropa hat schon einen Zugang dazu?

Unsicher bin ich mir, ob ich da nicht sogar rein fiktive Titel, ob Call of Duty oder ein Soldier of Fortune, sogar als problematischer ansehe, weil jeder Echtweltbezug verloren geht. Nicht nur die jeweiligen Szenarien sind fiktiv, auch die dargestellten Kriegshandlungen und das Töten selbst werden als Theman “außerhalb der echten Welt” behandelt. Und das sind sie ganz sicher nicht! Im Hinterkopf zu haben, dass es sich bei den dargestellten Themenkomplexen um echte Konflikte der Vergangenheit handelt, erhält zumindest in Teilen den Gedankengang, dass Krieg eben keine reine Fiktion ist. Selbst wenn sich alle Titel dem nur unzureichend nähern.


(Daniel) #17

Metal Gear Solid V hat es versucht: Guantanamo, Folter, Kriegsverbrechen, Kindersoldaten. Große Teile davon wurden im finalen Spiel aber gestrichen und existieren nur noch als Designdokumente. Final hat sich der Kommentar zum Krieg auf die Metaebene verlagert, die endlose Kriegsmaschinerie im Multiplayermodus. Ich habe auch Vietcong als recht beklemmend in Erinnerung, aber das habe ich zuletzt vor über 10 Jahren gespielt.

Im Zukunftsszenario ergeben sich wieder andere Möglichkeiten, Kommentare zum Krieg zu machen: Dronen, Terrorangst, etc. spielen in diesen Szenarien immer wieder eine Rolle. Und was den Echtweltbezug angeht: zumindest Call of Duty behandelt - aus einer sehr amerikanischen Perspektive - Soldaten immer mit dem allergrößten Respekt (auch wenn sich das manchmal nicht sehr elegant in Spielmechanik übersetzt).


(Daniel) #18

Ich habe gerade erst mitbekommen, dass der Infinite-Warfare-Trailer offenbar mit Dislikes überhäuft wurde, woraus einige folgenden Schluss ziehen:

Aber vielleicht sind es die Fans auch einfach nur leid, immer wieder denselben Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen. Insofern haben es EA und DICE richtig gemacht mit Battlefield 1, das vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs spielt.

Naja…


(Hamid al-aSak) #19

Quod erat demonstrandum.


(Daniel) #20

Im Guardian gibt es einen Kommentar zum Thema Weltkriegs-Shooter mit einem wie ich finde ganz interessanten Gedanken:

Fundamentally, there are two second world wars. There’s the complex, messy one of history. […] And then there’s the WWII […] Where Britain and America joined forces with the goal of taking on an evil empire, and liberating the people of Europe. It’s a reshaping of history, but one which enabled the horrors of the war to be understood and processed by a new generation.

By contrast, the first world war has only really had one portrayal. Starting with shellshocked war poets writing, and dying, on the front line, the horror and wastefulness of the Great War has never been far from its popular perception. […] Maybe Battlefield 1 can enter that canon too, and slowly build its own version of the first world war to go alongside the cartoon retelling of the second.