Das Problem mit Kingdom Come: Deliverance


#1

Die Erinnerung daran, dass “Kingdom Come: Deliverance” mitnichten historisch korrekt ist und von Nazis und GamerGatern entwickelt wird:


(Sören) #2

Reaktion der GameStar auf die Kritik an ihnen ist Varva ausführlich zu Wort kommen zu lassen und am Ende mit Blabla keine Stellung zu beziehen. Sachen wie sein Gamergate Bullshit sind scheinbar damit geklärt, dass er sein Standpunkt dazu besser hätte kommunizieren müssen. Das reicht der GameStar :angry::rage: Haben halt alle nichts aus Gamergate gelernt, sondern geben den Arschlöchern weiterhin Raum.


#3

Dazu habe ich schon in einen anderen Forum geschrieben:

Bei Vavra glaube ich nicht an einen Wandel, da er schon oft genug in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er rechte Tendenzen hat, auch wenn er das vielleicht selber nicht wahrnimmt. Man kann behaupten, dass man kein Nazi ist und dennoch ähnliches Gedankengut leben. Zudem verurteilt er GamerGate in seiner Entschuldigung nicht, sondern redet wage etwas von “künstlerische Freiheit”. Müssten GG-Supporter wie [Künstlername eines haarlosen Würstchens, das sich regelmäßig selber googelt] eine Entschuldigung schreiben, sie würde ganz ähnlich klingen.


(Daniel) #4

Ich habe der Diskussion mal einen eigenen Thread gegönnt, jetzt, wo sie endlich in Fahrt kommt… denn neu ist das ja alles bei weitem nicht, sondern seit langem bekannt. Großartig will ich mich garnicht in diese Diskussion einbringen, aber es ist traurig zu sehen, wo das kritische Denken beim Beenden der .exe aufhört.


(Daniel) #5

@vdgmtourism hat sich auch nochmal im Standard geäußert:

Jene Vorfreude war wohl auch der Grund, warum bislang in den meisten Publikationen nur wenig über Vávras freimütige Bekenntnisse zu rechtem Gedankengut publiziert wurde: Politik kommt beim Publikum nicht gut an, das in Spielen nicht zuletzt Eskapismus von der realen, komplizierten Welt sucht. Überdies war die angebliche ideologische Unterwanderung der Spielepresse (Stichwort “Kulturmarxismus”) nicht nur eines der Kernthemen von GamerGate, sondern in Folge auch ein gern wiederholtes Schlagwort neurechter Medienschelte. So gesehen kein Wunder, dass viele Fachmedien eher vor der heiklen Materie die Augen verschlossen und ihrer sich gern hypen lassenden Leserschaft nicht den Spaß verderben wollten. Nach wie vor gilt die stets bereite Ausrede “Es ist nur ein Spiel”, wenn lästige Diskussionen den Spaß am digitalen Zeitvertreib zu trüben drohen Und überhaupt: Das Spiel sei unabhängig vom Macher zu bewerten.


(Marja) #6

Hab’ die Vorbestellung wieder gecancelt. Ich weiß zwar immer noch nicht, ob das Spiel irgendwas Ideologisches vermitteln will, aber ich gehe jetzt erstmal “vom Schlimmsten aus”. Sollen doch erstmal tausende Andere das Spiel spielen und ihre Reviews raushauen, dann kann ich immer noch schauen, was ich nun davon halten soll.

Was ich mich frage: Die 150 Mitarbeiter, sind das alle Nazis und GamerGater? Falls nicht, ist Daniel Vavras Position so mächtig, dass er seine Vorstellung der Historie über alle anderen Köpfe hinweg realisieren kann? Es hätte doch sicherlich Gegenwind gegeben?


(Constantin) #7

Naja, 150 Mitarbeiter sind ne Menge, aber is gibt auch ne Menge Gründe, da mitzumachen:

  • die Miete muss gezahlt werden
  • es gibt aktuell in der Nähe keine anderen Jobs
  • ‘Es ist nicht mein Spiel, ich arbeite hier nur’
  • ‘Mein Chef sagt, dass es so sein soll’
  • ‘Ich sehe darin nichts verwerflich, ist doch nur ein Spiel’
  • ‘Ich mach hier nur die Musik’

Überschneiden sich auch oft ein wenig. Soll keine Ausrede sein, aber eine mögliche Erklärung. Und je nachdem wie ‘mächtig’ Herr Vavra ist und/oder seine Tendenzen innerhalb der Firma vertritt, kann es auch sein, dass ein Teil der Mitarbeiter sich dieser Sache nicht bewusst ist.

Es gibt genug Leute, die bei Primark und Kik arbeiten und in der Theorie ein ähnliches Problem haben. :zipper_mouth_face:


(Sören) #8

Naja, Vavra ist halt Chef des Studios und ich gehe mal davon aus, auch Lead Designer oder so des Spiels? Ich kann mir auch vorstellen, dass das Spiel spielbar ist, ohne groß rechte Ideologie zu merken. Besonders Vavra stellte das Spiel aber andauernd als seine Idee des “realistische Mittelalter” dar und will scheinbar rassistischen Ideen damit gefallen. Die Rolle von Frauen im Spiel ist sicherlich auch interessant…
Für mich ist die Frage, wie das im Spiel am Ende aussieht auch gar nicht so wichtig. Allein dass der Chef des Studios Gamergater ist und diese ideologischen Verbindungen immern wieder sucht, reicht mir, dass ich das Spiel seit Jahren ignoriere. Ich fand des Spiels aber auch nie interessant :man_shrugging:


(Daniel) #9

Der Autor des Blogposts war im Pixeldiskurs-Podcast zu Gast. Das werd ich mir beizeiten mal anhören.

(via @playstar)


(Martin) #10

Gibt es eigentlich zu der Gamersgate Geschichte und zu den Herrn Vavra irgendwo einen guten/lesenswerten Artikel der das Geschehen gut und differenziert zusammenfasst? Ich finde die momentanen Empöhrungswellen, die in regelmäßigen Abständen los getreten werden, teilweise sehr aufgebauscht (Trump, metoo etc.).


(Martin) #11

Eben… wie bei Rheinmetall. “Ich montiere hier nur die Panzergeschütze - für’s Töten sind andere verantwortlich.” :wink:


(Daniel) #12

Ich empfinde den ganz oben verlinkten Artikel als genau das, ebenso der von @vdgmtourism: https://derstandard.at/2000072551592/Berufsspieler-Kingdom-Come-Deliverance-Rechte-Ideologie-durch-die-Hintertuer

Ich finde die momentanen Empöhrungswellen, die in regelmäßigen Abständen los getreten werden, teilweise sehr aufgebauscht (Trump, metoo etc.).

No offense, aber wenn du die realen Folgen von Donald Trumps Abschiebepolitik oder die zahllosen dokumentierten Fälle sexueller Belästigung in Hollywood als “aufgebauscht” empfindest, dann wüsste ich nicht über was du dich überhaupt aufregen kannst.


#13

Also im Artikel ganz oben werden Vavrás GamerGate-Connections aufgezeigt. Falls du einen Artikel allgemein über das Thema GamerGate suchst, hmm, na ja, ich hab das seinerzeit auf meinen toten Blog versucht festzuhalten, würde das heute aber als deutlich anti-feministische und anti-progressive Bewegung beschreiben.

Zustimmung. Das sind mitnichten aufgebauschte Empörungswellen und ich fasse mir gerade wegen der Einstellung erschrocken am Kopf.


(Daniel) #14

Bevor es abdriftet (wie das im Internet gerne so passierte): Lasst und hier nicht all zu große Themengebiere abseits des Themas dieses Threads aufmachen. Und hier geht es in erster Linie um die konkrete Kritik am Hintergrund des Chefdesigners sowie der Frage was “historische authentisch” bedeutet.

Gerade zu letzterem gibt es diverse Beiträge von Leuten, die fachlich besser aufgestellt sind als vermutlich wir alle hier zusammen. Das könnte ich bei Gelegenheit noch einmal raussuchen. Da wiederholt sich auch viel der (sehr milden) Kritik an z.B. The Witcher 3.


(Daniel) #15

Ich habe jetzt den “Pixeldiskurs” gehört und finde den sehr ruhig, sachlich, angenehmen unaufgeregt. Tatsächlich ist das der Ton in dem ich zumindest die meisten Debatten zu solchen Themen kenne.

Ich glaube da wird bei kritischen Texten immer etwas schnell hyperventiert und alles (vielleicht auch durch die Verkürzung auf social media) zum Shitstorm überhyped. Das macht eine gesprochene Konversation vielleicht etwas schwierig gerne.


(Martin) #16

Merci!

Ich will auch nicht, dass der Thread abseits des eigentliches Themas entgleitet und werde mich daher nicht weiter zum Geschriebenen äußern ;-).


(Martin) #17

Danke. Die GamerGate Posse ging irgendwie an mir vorbei. 2 Anmerkungen. UFOs gibts. Es gab sogar eine Konferenz mit rang hohen Militärs (National Press Club, kannst du auf YT finden), die von ihren Sichtungen berichtet haben. Der Begriff Verschwörungstheoretiker wurde in den 70ern vom FBI erfunden, um alle zu diffamieren, die sich skeptisch zu den vorgelegten “Beweisen” des FBIs im Falle JFKs geäußert haben.


(Axel) #18

UFOs gibts.


(Martin) #19

Tzz, schön aus dem Kontext gerissen ;-).

Zu Der K.C.: Deliverance Debatte frage ich mich wo man jetzt anfängt und wo man aufhört. Varva scheint tatsächlich ein Anhänger der rechten Scene zu sein. Sein Fehler scheint gewesen zu sein, es öffentlich ausgesprochen zu haben. Hätte er es nicht angesprochen, dann wäre das Spiel sicherlich nicht als “ideologisch gefärbt” aufgefallen.
Wo soll also die Debate hinführen? Wollen wir das Studio, das Spiel boykottieren? Ist das nicht ein “Kampf” gegen Windmühlen?


(Daniel) #20

Ich denke was sich daraus lernen lässt ist weniger eine Antwort oder ein “richtiges” Verhalten, sondern ein Bewusstsein, dass sich Kunst und Künstler nicht ganz so ohne weiteres trennen lassen, wie es oft behauptet wird. Für mich sagt die Debatte auch weniger etwas über das Verhalten von Konsument_innen aus, sondern dem trotzigen Verweigern weiter Teile des Spielejournalismus, endlich den konsequenten Schritt zu gehen, mehr als (zumindest in erster Line) Produkttests zu sein. Denn egal wie man zu der Geschichte steht, sie abtun zeigt ein gefährliches Desinteresse an Hintergründen und Bedeutung der Werke, um die es geht. Und ja, vielleicht wär’s nicht aufgefallen, wenn Vávra nicht im Burzum-Shirt rumlaufen würde, aber umso klarer ist für mich die Lektion, dass über diese Hintergründe berichtet werden muss.