Lost Levels | Chuchel bricht mit unseren Erwartungen und feiert den Slapstick


(Lost Levels) #1

Mit ihrem Comedy-Adventure betreten die Entwickler von Amanita neues Terrain.


Dies ist ein Begleitthema zum ursprünglichen Beitrag unter https://lostlevels.de/blog/chuchel

((pixeldorado)) #2

Als ich damals den Trailer sah, habe ich mich weggeschmissen. mehrfach.
Danach kamen bei mir aber Bedenken, die ich hier im Forum auch mal formulierte, wie das Spiel das Tempo aufbauen und halten kann, das es im Trailer verspricht.

Die Trial’n Error-Kultur von Klickadventures, legt ja nahe, dass diese Spiele eher bedächtig ablaufen. Dennoch schreibst Du von “Höllentempo”.
Nur kann ich mir kaum vorstellen, dass sich ein Spiel noch rasant anfühlt, wenn ich mitunter lange herumprobieren muss und vielleicht auch unzählige Male (die gleiche?) negative Rückmeldung erhalte.

Wenn ein Adventure nur so schnell ablaufen kann, wie ich als (ungeschickter) Spieler es möglich mache, wie haben die Entwickler es dann umgesetzt, dass Chuchel dennoch nichts von seiner Energie einbüßt?


(Eric) #3

Ein bisschen Enttäuscht, dass hier nicht erwähnt wird wie ähnlich der Spielcharakter doch diversen rassistischen Karikaturen ist.


((pixeldorado)) #4

Bei der ursprünglichen Fassung des Pokemons Jynx war es recht deutlich.
jynx animal
aber Chuchel (tschechisch: “Staubballen”) habe ich eher als struppigen Pelzball wahrgenommen und erinnert mich im Wesen eher an The Animal von den Muppets.
Die Artworks von Amanita Design legen dies auch nahe.

Ich musste eben noch googeln, weil mir die Vorwürfe neu waren und es existieren tatsächlich einige Stimmen dazu, nur bin in der Kürze auf keine gehaltvolle Diskussion gestoßen.
Entspricht auch das Verhalten des Protagonisten rassistische Klischees oder beschränkt es sich auf die optische Ähnlichkeit?


(Daniel) #5

Ich hatte das damals bei der Ankündigung schon auf Twitter mitbekommen (und war auch kurz stutzig). Es gibt auch ein paar Artikel und Blogposts dazu. Das Design erinnert sehr an die Figur “Golliwog”, das ist schon sehr “can’t unsee”. Laut dem Designer unabsichtlich, dennoch ein gutes Beispiel, dass Absicht bei sowas eben nicht unbedingt eine Rolle spielen muss.


(Sonja) #6

Zunächst: Sorry für die späte Antwort! Zum Thema: Mir war das durchaus bewusst, ich hatte mich aber trotzdem entschieden, darauf in meinem Review nicht hinzuweisen. Die Gründe in Kürze: Ich sah hier keine Absicht der Entwickler und hielt es auch nicht für gerechtfertigt, grundsätzlich vor dem Spiel zu “warnen”. Viel mehr als ein knapper Hinweis hätte ich im Rahmen eines Reviews (für die wir ja auf Lost Levels bewusst ein recht knappes Korsett gewählt haben) kaum untergebracht, jedenfalls nicht, wenn ich noch andere Aspekte des Spiels beleuchten wollte. Einen Artikel nur zu diesem Aspekt hätte ich wiederum auch nicht für sinnvoll gehalten, jedenfalls nicht in dieser Form, hier und von mir. Daniel hat ja schon auf entsprechende gute, fundierte Texte verlinkt, aber ich sehe das eher als Feature-Thema und als eines, zu dem andere wesentlich kompetenter schreiben können als ich.

Das heißt nicht, dass ich die problematische Assoziation nicht sehen oder anerkennen würde (auch wenn ich Chuchel zunächst wirklich nur als Staubfluse mit Armen und Beinen betrachtet habe). Ich hatte sicher nicht die Absicht, die problematische Assoziation durch Weglassen totzuschweigen (sie ist ja auch recht breit diskutiert und, wie von Daniel verlinkt, auch von den Entwicklern kommentiert worden). Aus meiner Sicht muss trotzdem nicht jede Rezension darauf eingehen, weil es sich hier nicht um einen großen Skandal handelt, sondern eher um ein Beispiel dafür, wie ungeschickte Design-Entscheidungen dazu beitragen können, ungewollt rassistische Stereotypen weiterzutransporierten. Zudem hatte ich grundsätzlich nicht das Gefühl, im Rahmen der Rezension dazu allzuviel Kluges beitragen zu können, was nicht schon woanders besser gesagt wurde. Das alles kann man aber natürlich auch anders sehen und es tut mir leid, dass du enttäuscht warst, @MOKKA.

@fl0rian, zu deiner Frage: Natürlich ist Chuchel zwar kein Action-Spiel, das mit dem Tempo ist also auch ein bisschen relativ zu anderen Point-and-Click-Adventures (nicht nur von Amanita) zu verstehen. Aber da sind zum einen die Geschicklichkeitsspiele, die recht arcadig sind. Und auch die reinen Click-Parts fühlen sich schnell an, weil die Animationen sehr auf Tempo gestrickt sind und selbst bei mehrmaligem Herumprobieren immer wieder Neues passiert. Zudem sind die einzelnen Szenen sehr kurz, was diesen Eindruck noch verstärkt. Es ist also ganz gut gelungen, einem eigentlich eher tempoarmen Genre sowas wie ein Gefühl von Geschwindigkeit zu verleihen.