Mass Effect: Andromeda und entgleiste Gesichtszüge


(Pat86) #1

#2

Ich verstehe den Hass auf “Mass Effect: Andromeda” nicht. Das Spiel ist zwar nicht perfekt, aber immer noch gut genug, um es zu genießen. Da haben ein paar Leute wohl gehörig das Chillen verlernt.


(Pat86) #3

Ich hab die Origin Access 10h “Demo” gespielt, bis man mit dem Wagen auf Eos rumfahren kann. Und bis dahin war das Writing, die Synchro und das “Schauspiel” wie ein Spucken ins Gesicht der original Trilogie. Ja, das Gameplay an sich ist gut und spaßig, aber das, warum man Mass Effect eigentlich spielt, die Welt, die Charaktere, die Handlung und Dramatik, alles sehr “underwhelming”. Diese “Yo Bro!” Attitüde der Charaktere passt einfach nich rein und nervt die ganze Zeit wie ein Pickel am Arsch.


#4

Dann solltest du weiterspielen und den Wüstenplaneten verlassen. Da wird das Spiel nämlich besser.


(Pat86) #5

Wenn ich’n n Key günstig bekomm, werd ichs auf jeden Fall weiterspielen. Aber der Ersteindruck der ersten 5 Stunden ist ernüchternd. Musst du zugeben. Und wenn mich ein Buch nicht auf den ersten Seiten packt, tu ich mich auch schwer, weiter zu lesen.


#6

Ja, das Spiel fängt durchwachsen an. Aber meiner Meinung ist es nicht so schlimm, dass es diesen Hass verdient hätte.

Ist wohl die gleiche Leier wie bei No Man’s Sky: Ein Spiel kann die übertriebenen Erwartungen nicht erfüllen und für die lauten Arschlochgamer geht die Welt unter. Oder wie aktuell bei Breath of the Wild (Zwinker, zwinker): Wer das neue Zelda nicht für ein Meisterwerk hält, kriegt den Zorn der Fanboys zu spüren.

Gott, manchmal schäme ich mich für die Menschen mit denen ich dieses Hobby teile.


(Pat86) #7

Es ist ein AAA Franchise. Die Vorgänger haben das Genre voran getrieben und sind mit das immersivste, was das Medium herzugeben hat. Natürlich darf man da über den neuen Titel erzürnt sein, wenn er auf der Stelle tritt bzw. stellenweise sogar nen Schritt zurück macht.


(Axel) #8

Da haben ein paar Leute wohl gehörig das Chillen verlernt.

Gott, manchmal schäme ich mich für die Menschen mit denen ich dieses Hobby teile.

:jonas:


#9

Da ist kein Widerspruch, Dude. Schließlich schäme ich mich für die Leute, die das Chillen verlernt haben.


(Marcus Dittmar) #10

Warum genau? Klingt so, als hätte man in irgendeiner Weise ein Anrecht darauf, dass eine Fortsetzung eines Unterhaltungsproduktes denselben, wenn nicht gar höheren Ansprüchen genügen muss, was eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung der tatsächlichen Umstände entspricht.

Klar kann man enttäuscht sein und eine eingeschlagene Richtung kritisieren, aber Zorn zu entwickeln, weil einem ein Spiel nicht gefällt (oftmals sogar eines, das man nicht einmal selbst erworben hat), könnte kindischer und egozentrischer kaum sein. Schließlich wird einem dadurch weder etwas weggenommen nach vorenthalten.


(Pat86) #11

Ja, Entzürnt ist vielleicht die falsche Vokabel. Aber so funktioniert das Internet. Leute lieben das Drama und die Aufmerksamkeit.


#12

“So funktioniert es halt” ist aber kein Grund. Wäre so ungefähr als würde man mit “Das war schon immer so” etwas falsches und schädliches rechtfertigen.


(Pat86) #13

Ich möchte jetzt hier keine Diskussion über die Streitkultur im Netz anfangen. :wink:


((pixeldorado)) #14

Wenn ein Buch eine andere Wendung nimmt, als ich mir als Leser gewünscht hab oder sich mir ein abstraktes Gemälde nicht so recht erschließt, neige ich eher dazu meinen Frust herunterschlucken und das intellektuelle Unvermögen bei mir zu suchen.

Nur orientieren sich Videospiele leider viel zu selten an stilistischen Mitteln sondern lediglich am technisch Machbaren. Da sitzen erwachsene Menschen, die sich als Künstler und Profi bezeichnen, monatelang zusammen und und brüten an einem mehrere Millionen schweren Mittelmaß. Tolle Engine, aber für ein Drehbuch hat es wieder nicht gereicht. Balancing können wir ja nachliefern. Mangelnder Wiederspielwert…hmm…hey, Achievements.
Ein Spiel rund zu bekommen ist doch kein Hexenwerk, das ist fucking Handwerk.
Und damit beziehe ich mich nicht auf Andromeda oder No Man’s Sky, sondern generell auf zeitgenössisches Videospiel und Kino.
Will man die Entwickler nicht schütteln und ausrufen: Eurer Ernst?! Mehrere Dutzend people seid ihr, habt ein paar Millionen in der Hand und das hier ist das Beste, was ihr daraus machen konntet? Ganz im Ernst?

Zorn sei nicht gerechtfertigt, schreibst Du.
Nein, Zorn ist es auch nicht, eher Ekel.


(Sören) #15

Ach wie einfach es doch ist Videospiele zu produzieren, hier ein paar Duzent People, dort eine tolle Engine, da ein paar Millionen in der Hand und schwups ist das Meisterwerk da, hätten sie sich mit ihrem Handwerk doch nur mal angestrengt…Finde diese Haltung, die du da zeigst einfach nur absurd…

Man kann ja gerne feststellen, dass ein Spiel technisch veraltet ist und das schade finden, aber diese lächerliche und traurige Hetzjagd dahinter, ist scheiße. Im Entwicklungsprozess kann einfach so viel falsch laufen, nur weil da Leute sitzen, die gut in ihrem Handwerk sind, kommt am Ende eben noch nichts gutes raus. Das ist kompliziert, da treten Probleme auf. Vielleicht ist die Struktur in der Firma selber scheiße, vielleicht stellt sich am Ende raus die Geschichte ist einfach nicht gut, vielleicht sorgt die Pipeline hinter den Animationen dafür, dass sie da nicht mehr abliefern konnten und um sie zu ändern, ist es zu spät. Was auch immer. Glatt läuft es nie.
Und am Ende ist Andromeda vielleichte in Spiel, dass einem nicht gefällt und schlechte Animationen hat. Und das ist ziemlich egal.


(Marcus Dittmar) #16

Mal ganz abgesehen davon, dass du die Arbeit an einem Spiel derartig simplifizierst, dass man den Eindruck gewinnen könnte, es werden einfach Code-Bausteine nach Anleitung aufeinandergesetzt, besorgt mich etwas die Wortwahl, die du in dem Zusammenhang verwendest.

Wenn dich der Ekel überkommt, bloß weil ein Studio eine teure Spielentwicklung nicht optimal durchgezogen hat, frage ich mich schon, was du noch fühlen willst, wenn dir gesellschaftlich tatsächlich relevantes Unrecht begegnet.


(Eric) #17

Setz dich mal hin und versuch ein Spiel mit einer knallharten Deadline zu entwickeln. Du wirst sehr schnell sehen, dass du früher oder später Kompromisse machen musst.


(Daniel) #18

Genau darum sollte es in der Diskussion gehen. Ja, solche Spiele haben große Teams und große Budgets, aber das wirft eben die Frage auf, warum trotzdem solche Qualitätsprobleme auftreten können. Und das hat vor allem mit den Arbeitsbedingungen in den Studios zu und den Erwartungshaltungen der Publisher zu tun.

(Das heißt m.E. übrigens nicht, dass man sich nicht über die Glitches und steifes Writing lustig machen kann. Die sind schon witzig.)


(Eric) #19

ich hab den Artikel zwar vorhin schon in dem “Ich leste gerade” Thread verlinkt, aber da er ja zum Thema passt:

Scheinbar wurde bei Mass Effect (wie bei vielen AAA Spielen) ein automatisiertes Animationssystem verwendet, allerdings scheint wohl für die Aufreinigung der generierten Animationen keine Zeit mehr da gewesen zu sein.
Das ganze deutet also auch viel eher auf Mismanagement hin, als auf Inkompetenz. Außerdem wage ich es mal zu bezweifeln, dass ein Studio mit einer Reputation wie Bioware sich bewusst in deratige Nesseln setzt.

Gleichzeitig besteht allerdings auch das Problem, dass wir als Aussenstehe es nicht wirklich wissen und (wenn überhaupt) erst Jahre später die Details erfahren. Und da tatsächliches Wissen über den Produktionsprozess von Spielen (wie wir ja sehen können) nicht wirklich weit verbreitet ist, wird die aufkommende Frustration eher auf offensichtliche Ziele gelenkt.

Übrigens fliegen die meisten Spiele auseinander, wenn man nur weiß, wo man nachbohren muss. Ansonsten wären Speedruns ja nicht so unterhaltsam.


((pixeldorado)) #20

Da habt ihr alle Recht.
Ich weiss tatsächlich nicht, wie man ein Megaprojekt stemmt, ein Budget verteilt oder eine Deadline einhält. Auch ob es in der Gamesindustrie darüberhinaus noch besondere Widrigkeiten gibt, kann ich nicht beurteilen.

Ich kann aber von meinem Elfenbeinturm hinunterschauend eine ganz deutliche Diskrepanz in den einzelnen Disziplinen entdecken. Und ich will einfach nicht begreifen, dass beispielsweise Blizzard als Referenz für RTS so dermaßen seine Stories versemmelt. Der letzte Teil des großen Starcraft-Finales wurde so linear runtergeleiert und der Sprung von Diablo zu Diablo 3 fühlt sich auch nicht nach 20 Jahren Reife an.
Und dann schaue ich auf die Mitarbeiterliste im 20min-Abspann und denke mir: Mal fehlendes Finetuning durch straffe Deadline ausgenommen, aber das ist es jetzt? Alles Herzblut ist drin? Mehr ging beim besten Willen nicht?
Bei dem Budget hätte man doch nicht gerade Captain Obvious ans Drehbuch lassen müssen.

@Marcus
Und ich schrieb bewusst Ekel, weil es nicht nur Enttäuschung ist, sondern ich “Pfui!” und “Bäh!” meine, wenn die Studios sich abfeiern.