Patreon und der Zustand des Spielejournalismus


(Daniel) #1

Hier geht’s zum Artikel: https://superlevel.de/spielkram/patreon-und-der-zustand-des-spielejournalismus/


Kost’ nix gibt’s nicht. Nicht mal im Internet, in dem frei wie Freibier trotzdem noch heißt, dass in der Bierfabrik jemand eine unbezahlte Nachtschicht einlegen musste. Und genau wie leckeres, frisch gezapftes Freibier, haben auch Dinge im Internet einen Wert. Zum Beispiel Blogtexte, Podcasts und Videos. Der Spielepodcast Auf ein Bier erklärt diesen Wert mit folgender vereinfachten Rechnung: Andre Peschke… (…)

(Daniel) #2

Wenn das mit dem Journalismus nicht klappt machen wir einfach Videospiele für Erwachsene.


#3

Ein Problem von Patreon ist, dass die meisten aus Angst, Unterstützer an andere Projekte zu “verlieren”, keine Empfehlungen aussprechen. Dadurch bleibt man immer brav unter sich. Jedenfalls empfinde ich das so.


(Joe Köller) #4

Die Angst ist da vielleicht eine andere! Zu Hochzeiten von Gamergate wurden die Kleinstbeträge die Leute an andere Accounts sendeten (und diese per Exempel empfahlen) so penibel überwacht das viele auf Wunsch der Betroffenen Unterstützungen privat machten und sonstige Verweise entfernten. Aber da reden wir glaube ich immernoch von einem relativ kleinem Netzwerk von Leuten die sich gegenseitig ein bisschen helfen wollten.

Die großen Summen und Menschenmassen liegen eher bei Leuten, die vorher schon erfolgreich waren und bei Patreon eher die Chance auf Selbstständigkeit denn Existenzsicherung sahen. Ich denke die interessiert in den meisten Fällen nicht wirklich was sich auf der Plattform sonst noch tut.


#5

Ich war in den letzten Wochen einige Male kurz davor entweder Hooked, Insert Moin, Rocket Beans oder euch bei Patreon zu unterstützen. Bei mir ist es tatsächlich wie im Text erwähnt ein schlechtes Gewissen den anderen Projekten gegenüber. Wenn ich ein Projekt unterstütze müssen eigentlich auch alle anderen etwas abbekommen. Also habe ich mich bisher dazu entschieden, dass niemand etwas bekommt.

Ich denke ich werde für mich einen Betrag festlegen den ich für meinen monatlichen Medienkonsum ausgeben möchte und den zwischen allen aufteilen.


#6

OpenCritic ist jetzt auch bei Patreon:


(Michael Behrens) #7

So, bin dabei. Und die Anderen verlieren mich auch nicht :slight_smile:


#8

Äh, von allem mal abgesehen, ist der Vergleich (“Für zweieinhalb Minuten des neuesten Gangsta-Rap geben Menschen 79 Cent aus. Daraus folgt logisch, dass eine unserer Podcast-Episoden ungefähr 28 Euro wert ist.”) in irgendeiner Weise ernst gemeint? Wahrscheinlich nicht, aber trotzdem großer Schwachsinn.

Wie dem auch sei. Ich werde wohl niemals bei Patreon mitmachen. Der ganze Grundgedanke passt für mich nicht. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber sobald ich sehe, dass was regelmäßig mehrere hundert Dollar im Monat erhält (oder auch nur wenige hundert), sträubt sich mein Gehirn, da noch irgendwas dazuzugeben. Bei einzelnen (und nicht öffentlichen) Paypal Spenden sieht es anders aus. Aber sobald sozusagen das regelmäßige Einkommen öffentlich gemacht wird, geht’s bei mir einfach nicht mehr. Ist sicherlich dumm und so, aber ist - zumindest momentan - einfach so bei mir.


#9

Die Frage ist wohl nicht nur WIE VIEL Publikum ein Podcast, eine Website etc. hat, sondern WAS für ein Publikum.


(Daniel) #10

Nach Erfahrungen die ich und andere mit Podcasts und Flattr gemacht haben liegt die Spendenbereitschaft bei bis zu 10%. Patreon bestätigt diese Zahl sogar:

Typically, for every 100 unique fans you can send to your site, you can expect a 1–10 patrons depending on how engaged your fan base is!


(Benedikt Frank) #11

Einer von vielen Gründen, warum gerade das Superlevel-Patreon nicht besonders gut läuft, ist vermutlich auch, dass man es einfach nicht unterstützen muss. Über allem steht auf eurer Patreon-Seite, dass ihr das seit 6 Jahren macht, aus lauter idealistischen Gründen. Da denken sich sicher einige, dass ihr das schon noch eine Zeit lang so weiter machen werdet. Dann steht da, dass ihr euch selbst nicht zu ernst nehmt und Superlevel “Spielplatz, kreativer Hort und Sprachrohr für Spielejournalisten und -blogger” ist. Auch da können sich Leute denken: warum soll ich die ernst nehmen, wenn sie das selbst nicht tun, und was hab ich als Leser davon, wenn Journalisten sich austoben können? So blöd das klingt, aber so überzeugt das nur Leute, die euch eh schon total gut finden und selbst die dürfen dann nicht eigennützig sein. Superclub? Ein paar Tage Vorsprung auf zeitlose Texte zu haben ist nicht so wichtig. Wenn ich auf Superlevel schaue, dann denke ich auch selten “Mensch sind die schnell” sonder eher “Darüber steht nur hier etwas”. Neue Formate? Das heißt die alten, wegen derer man bisher die Seite gelesen hat, sind kein Geld wert und kommen auch so und offenbar sind noch Ressourcen für etwas anderes frei. Man sieht viel zu wenig, was man verpassen würde, wenn tatsächlich keiner mehr für Superlevel schreibt, weil er oder sie es sich nicht leisten kann, unbezahlt zu arbeiten.


#12

Danke für den Kommentar. Tatsächlich habe ich den Patreontext wohl zu sehr für Menschen formuliert, die Superlevel bereits kennen (und ggf. schätzen). Wer sich mit unseren Sachen schon beschäftigt hat, sollte bemerkt haben, dass wir unsere Arbeit durchaus sehr ernst nehmen und wert auf eine gewisse Professionalität legen. Wer uns nicht oder nur wenig kennt, findet die Formulierungen im Patreontext dann womöglich zu flapsig. Kurz: Da muss ich auf jeden Fall noch mal ran.

Aktualität hatte bei uns eigentlich noch nie eine besonders hohe Priorität. Das können wir auch gar nicht leisten. Der Superclub ist als kleine Geste zu verstehen. Dort landen dann hin und wieder Podcasts etwas früher oder Interna werden mitgeteilt etc. So oder so stimme ich dir in allen Punkten zu und wir werden die Kampagnen-Inhalte dementsprechend überdenken und anpassen. :slight_smile:


(Alex) #13

Das ist aber auch ein Ding. Jahrelang wurden mir Artikel im Internet kostenlos angeboten. Die Folge davon war: Meine geliebten Zeitschriften über Videospiele gibt es fast nicht mehr. Alle Leser sind zu den kostenlosen Angeboten abgewandert. Jetzt kommt Blog XY und möchte für seine Artikel gerne Geld sehen. Warum? Es geht doch auch kostenlos. So ähnlich wird wahrscheinlich die Masse der Leser denken und darum haben es Plattformen wie Patreon auch so schwer. Es fehlt auch die Transparenz und wie schon gesagt ist die Plattform in Deutschland nur Insidern bekannt. Ich zahle gerne für Inhalte im Internet, ich kaufe auch immer noch gerne meine monatliche Zeitschrift. Allerdings sind meine finanziellen Mittel begrenzt und reichen nicht für alle. Das ist auch so ein Punkt. Im Netz ist die Konkurrenz einfach riesig und man muß sich als Anbieter von der Masse abheben. Ich finde Superlevel schafft das ganz gut. Leider ist hier die Zielgruppe sehr klein (meine Einschätzung).


(Z.) #14

Bei mir ist es so, dass ich einfach kein Geld übrig habe. Ich habe mich für euch bei Patreon angemeldet und unterstütze euch mit dem kleinsten Betrag, aber es ist wirklich so, dass ich mir auch beispielsweise keine Zeitschriften oder Bücher kaufe, was ich eigentlich gerne tun würde. Heißt: ich bin auf kostenlose Inhalte im Netz angewiesen. Patreon, bzw. Crowdfunding generell, halte ich aber für eine gute Sache.

Podcasts höre ich eigentlich gar nicht, Doomian war für mich der erste Podcast seit langem und hat mir gut gefallen. Vertonte Reviews als neues Format sind für mich persönlich daher weniger interessant, da lese ich lieber.

Was ich schade finde ist, dass Wordpress und Discourse zwar verknüpft sind, aber leider nicht nahtlos ineinandergreifen. Man merkt, dass Blog und Forum nebeneinander angelegt sind und die Navigation dazwischen ist umständlich. Bei mir führt dies dazu, dass ich das Forum nur verlasse, um die Artikel zu lesen, um die Kommentare dann wieder im Forum zu lesen. Wenn die Artikel komplett im Forum lesbar wären, könnte Wordpress von mir aus wegfallen, Okay, die Archiv-Funktion mit den Tags wäre noch sehr nützlich, aber sonst? Ich habe mir sogar ein kleines Stylesheet gebastelt, welches die Darstellung des Forums anpasst, so dass es ein bisschen mehr dem Wordpress-Theme ähnelt http://imgur.com/a/e7mS0.

Ich könnte mir vorstellen, dass eine für Smartphone optimierte Webseite einen Mehrwert bieten könnte? (Ich besitze kein Smartphone.)

TL;DR Meckerei auf hohem Niveau, weiter so, ihr seid super!


#15

Wer kein oder nur wenig Geld zur Verfügung hat, soll das um Himmels Willen behalten. :wink: Da muss man schon ganz klar Prioritäten setzen, schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der die Besserverdienenden die weniger Verdienenden “mitversorgen” sollten.

Mit der Verknüpfung/Navigation zwischen Blog und Forum hast du vollkommen recht. Das ist wirklich nicht besonders gut gelöst.


#16

Ich muss gestehen, dass ich das Motto “Tue Gutes und rede darüber” wohl zu Unrecht immer etwas abstoßend fand. Ich hatte bislang einen kleinen symbolischen Beitrag geleistet und wollte das auch gar nicht weiter thematisieren.

Nur habt ihr das aber immer weiter thematisiert. und das ist gut so, auch wenn es dem ein oder der anderen recht selbstbezogen erscheinen mag. Aber nicht zuletzt die durchaus nachdenklichen Kommentare haben mich dazu bewogen, meinen bisherigen Beitrag zu überdenken. Ich bin vielleicht doch nicht so blöd, hier für etwas zu bezahlen, obwohl ich es doch kostenlos kriege.

Der Vergleich mit Zeitschriften funktioniert tatsächlich nicht richtig. Solange ich meine Zeitschriften bezahle, kann ich auch davon ausgehen, dass ich meinen gewohnten Umfang an Artikeln erhalte, die ich in der Regel weitestgehend lese, weil ich ja immerhin dafür bezahlt habe. Bei euch habe ich bislang längst nicht jeden Beitrag gelesen, weil mir mancher auch zu abseitig war. Aber wahrscheinlich sind auch viele der Beiträge, die ich hier lese, schon zu abseitig, um jemals gedruckt zu werden. So bezahle ich eben nicht nur aus reinem Idealismus, sondern auch in dem Bewusstsein, dass ich tatsächlich etwas bekomme, was ich woanders nicht kriege.

Und auch wenn das ein wenig im Widerspruch zu meinen bisherigen Überlegungen steht, möchte ich noch einmal anmerken, dass ich auch gerne auf den Exklusivschnickschnack verzichten kann, weil ich doch ein kleiner Sozialromantiker bin.


(Kevin) #17

Die ehemaligen Mitglieder von Gametrailers sind nun auch mit ihrem neuen Projekt bei Patreon:

Scheint gut zu laufen, sind bereits bei fast 8000$ pro Monat (!). https://www.patreon.com/EasyAllies?ty=h


#18

Inzwischen 15.000$. Was zum…?!


(Benjamin Jessat) #19

Mittlerweile über 21.000$ and counting… Und ich habe mir den Patreon-Text durchgelesen, mir ist nicht aufgefallen was da der große Wurf sein soll?! Ist es nur die Kombination an Reichweite + englischsprachig = WIN?


#20

Ich finde wirklich faszinierend, wie wenig Zeit für diese Kampagne notwendig war. Das sind eine Handvoll Zeilen und gut ist.