Patreon und der Zustand des Spielejournalismus


(Daniel) #21

Flattr meldet sich auf der republica mit einer Kooperation mit Adblock Plus zurück. Zukünftig sollen Micropayments automatisiert sein. Wie und warum erklärt die neue Seite nicht… ich bin unsicher, ob das ein Erfolg wird, auch weil es am Konzept von Flattr nichts ändert, bei dem nur diejenigen profitieren, die viele Clicks/User/Views haben.


#22

Ein Beitrag wurde in ein neues Thema verschoben: Friedhof :latin_cross:


(Daniel) #23

Former GameTrailers Gang Hits Patreon To Raise $40K Per Month As “Easy Allies”

In February 2016, the long-running website GameTrailers shut down after close to 14 years as one of the most-trusted voices in video game journalism. Just a few weeks later, nine of the publication’s former employees launched a project called Easy Allies, through which they planned to keep the GameTrailers voice alive.

In den USA scheint sich Patreon wirklich als Finanzierungsmodell zu etablieren - zumindest kurzfristig.


#24

Solche Summen machen mich immer schwindelig. Immerhin sind die Gelder hier öffentlich im Gegensatz zu manchen YouTube-“Gehältern”. Nicht, dass mich stört, dass die Leute da was verdienen - ich fände es nur cool, wenn die Menschen, die das nicht gleich begreifen, das dort auch so schön sehen könnten wie bei Patreon.


(Daniel) #25

Destructoid hat seine Redaktion in UK rausgeworfen, Laura Dale hat ihr Patreon kurzfristig um ein 3000$-Goal erweitert und startet mit dem Geld und ihren beiden (Ex-)Kolleg_innen unter dem Namen Lets Play Video Games eine neue Seite, wo sie u.A. den Destructoid UK Podcast weiterführen.

At $3,000 PCM, I will be able to bring Destructoid UK staff members Joe Parlock and Vikki Blake on board my team, having them create content under the LauraKBuzz umbrella and paying them a salary. This will allow the creation of a much larger amount of multi person content, like group LPs, livestreams and roundtables.


(Constantin) #26

Ich bin zwar noch nicht so lange dabei, stimme @Berto aber vollkommen zu. Ich finde ja schon dieses Forum mehr als gut (das was @Abalone in Liebeserklärung schreibt) und möglich gemacht hat das alles der Doomain Podcast, mit dem Hinweis, bei Patron zu schauen. Und ohne Patron würde ich das Forum gar nicht kennen. Also habe ich schon ohne Extrawurst durch Patron mehr von Superlevel als gedacht. :heart:

tl;dr: Ihr rockt, Patron auch; ich zahle gerne auch ohne Sonderlocken


#27

:slight_smile:️ Für Freitag ist ein Zwischenfazit/Resümee in Bezug auf Patreon geplant. Dort werde ich dann mal ein bisschen ausführlicher auf das alles eingehen. :point_up:


(Daniel) #28

Interessant: Insert Moin bieten die sonntägliche “Brunch”-Folge mitsamt einem neuen News-Format jetzt nur noch für diejenigen an, die mindestens 5$ im Monat bei Patreon supporten.

@Manu kommentiert dazu:

Ohne “Bonus-Content” scheint es nicht möglich zu sein, davon leben zu können. Und ich für meinen Teil möchte dieses Ziel erreichen.

In den Kommentaren wird reichlich diskutiert. Einige kündigen bereits an, ihren Support ganz einzustellen. Andere unterstützen die Entscheidung. Ich bin gespannt zu sehen, ob es Insert Moin hilft die Stagnation bei den Patreon-Einnahmen (die wir ja auch sehen) zu überwinden.


(Constantin) #29

Fünf Euro pro Monat sind echt nicht viel. Zwei Bier / Kaffee / kleine Pommes, die schneller getrunken / gegessen sind, als die Podcasts gehört. Und das ist für den Bonus Content…

Ich hoffe auf ein Umdenken und dass mehr Menschen bereit sind, für Inhalte zu zahlen. :credit_card:


(Daniel) #30

Dass es nicht leicht ist, Leute zu überzeugen, für etwas kostenloses zu bezahlen (sprich: auch alles, was wir hier bei Superlevel machen - Podcasts, Features, Reviews, Interviews…), haben wir selbst gemerkt. Exklusiven Content als Gegenwert anzubieten scheint leider momentan für viele der einzige Weg zu sein, über die Kerngruppe der Supporter_innen hinauszuwachsen. Ironischerweise werden die Brunch-Folgen dafür erstmal nur noch von 200 Leuten gehört.


(Eric) #31

Als jemand der nicht wirklich viel Geld hat, kann ich sagen, dass fünf Euro unter Umständen durchaus viel Geld sein können, vor allem wenn es eine regelmäßige Ausgabe ist. Im Moment unterstütze ich niemanden über Patreon, weil ich einfach nicht die Mittel habe, um guten Gewissens mir weitere laufende Kosten zu schaffen.
Ich persönlich mag dieses “es ist nur ein Kaffee” Argument überhaupt nicht, weil es für einige Leute nicht “nur ein Kaffee” sondern eher “die hälfte meines Budgets für Lebensmittel in einer Woche” ist.

Was Exklusivinhalte angeht, denke ich kommt’s drauf an wie es aufgebaut ist.

Zum Beispiel finde ich das Unterstützerprogramm von Rock Paper Shotgun recht gut gelungen. Dort gibt es pro Woche eine Reihe an Artikeln, die excklusiv für Unterstützer sind. Diese sind jedoch nicht komplett exklusiv, sondern werden nach einiger Zeit auch für den Rest der Leserschaft veröffentlich (oder zumindest ein paar von ihnen).

Ähnlich hat es auch Kitty Horrorshow gemacht, die jeden Monat ein kleines Spiel für Patreon-Unterstützer veröffentlicht. Allerdings sind auch diese Spiele nicht für immer exklusiv. Einige von ihnen wurden vor ein paar Monaten frei verfügbar gemacht.
Für mich als arme Wurst ist das ziemlich toll, denn so kann ich immer noch Inhalte von Leuten konsumieren, die ich mag, auch wenn ich nicht die Mittel habe, sie mir sofort zugänglich zu machen. Zudem kann ich sehen, was ich im ungefähren bekäme, wenn ich denn in der Lage die Leute direkter zu Unterstützen.

Wie sehr sich dieses Prinzip der temporären Exklusivität auf Insert Moin übertragen lässt, kann ich nicht sagen, denn ich höre die Leute nicht. Vielleicht haben die das ja auch schon, womit sich mein ganzes Argument eh im Nichts verliert.


(Constantin) #32

Das kann ich gut nachvollziehen, vor nicht allzu langer Zeit hatte ich auch nicht das Geld. Und ja, das Kaffee - Argument ist nicht so schön, da (Luxus-?)Lebensmittel. Wäre Kino / Zoobesuch / Kneipentour / Computerspiele / Bundesliga PayTV / Sportverein / Handyvertrag mit ‘alles flat’ besser geeignet ?

Finde ich auch gut, damit würden die Nicht-Unterstützer auch alles bekommen, wenn auch später (was für News jetzt nicht so praktisch wäre, aber die Wenig-Unterstützer etwas besänftigen würde).

Das ist schade, denn sowohl die Personen hinter Insert Moin als auch Superlevel möchten müssen etwas Geld verdienen, es muss Equipment gekauft, Server-Kosten bezahlt und Arbeitszeit entlohnt werden. Aber letztendlich muss jeder selber entscheiden, wofür er Geld ausgeben will und muss.

Ich selber denke mir: Für Podcasts bezahlen ist Luxus (den ich mir gerne gönne). Keiner ist gezwungen, etwas zu bezahlen, aber einem Anspruch auf gut geschriebene / recherchierte / produzierte Inhalte hat man dann nicht.

Wenn sich mal der Preis ändert, muss jeder für sich entscheiden, ob das Preis Leistungs Verhältnis immer noch für ihn persönlich gut ist. Wenn nicht, abbestellen und gehen. Aber dieses ständige Aufregen (oder ist es Meckern?) über zu zahlenden Inhalt oder Paywalls ist sehr müßig, oder nicht? :sweat: Wovon sollen den die Autoren leben, wenn sie (sich) (gefühlt) 40 Stunden der Woche fürs Schreiben / Recherchieren / Einsprechen der Podcasts und Befüllen der Webseiten (ver)brennen?


#33

Schwierig. Die Brunch-Folgen sind für mich der eigentliche Grund, Insert Moin überhaupt abonniert zu haben. Und selbst von denen höre ich vielleicht die Hälfte, wenn’s hochkommt. Werde also vorerst vom 5$-Pledge absehen und warten.


(Daniel) #34

Gerade letzteres wird mehr und mehr ein Problem, je aufwändiger die Inhalte werden. Und es ist auch nach wie vor ein unsichtbares Problem. Wenn ein aufwändiges Feature oder Podcast mehrere Arbeitstage braucht, dann ist die Frage, ob ich in der Zeit nicht besser einen bezahlten Auftrag machen sollte (oder muss).

Schade, dass damit eben auch Quellen verschwinden. Ich bin gerade deshalb kein Freund von Paywalls. Die “News” sind für mich durch ihren aktuellen Bezug auch eher ein Service als etwa ein Interview, das auch in einem Jahr noch relevant ist.

Mit dem Brunch geht es mir ähnlich. Aber ein beliebtes Format (und bisher das einzige von Insert Moin, was vom “Kernprodukt” der täglichen Spielebesprechung abgeht) zieht eben genau deshalb halt mehr, als ein neu angekündigtes, zu dem noch niemand Bezug hat.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Patreon-Zahlen diesbezüglich verändern. Wenn’s ein Erfolg wird beleben wir Indie Fresse einfach als Bonuscontent wieder :jonas:


(Constantin) #35

Das ist ja nicht nur hier so… Freelancer im Bereich Grafik, Web oder Sound haben ja auch regelmäßig Probleme, ihre Arbeit bezahlt zu bekommen (‘Ach, mein Sohn kann Powerpoint, der kann meine Corporate Identity auch machen’, schöner Zeitvertreib hier: http://clientsfromhell.net)

Oder bei Musikern: ‘Eure Musik mag ich ja gerne hören, aber nen 10er für Eure Platte… Geht’s nicht billiger?’

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es von allem zuviel gibt. Und irgendjemand mit reichen Eltern macht den Job dann halt für ein Apfel und ein Ei. Ich hör nun mal schnell auf, sonst wird das wieder so ein Anti-Kapitalismus-Text wie hier: Superlevel bei Patreon: Ein Resümee :wink:


(Eric) #36

Ist irgendwie genauso dumm, weil es noch immer impliziert, dass alle Leute eine bestimmte Menge an frei verfügbaren Einkommen besitzen, dass sie monatlich für Vergnüglichkeiten ausgeben können.
Auf der anderen Seite zeigen deine Alternativen aber auch schön auf, was genau die finanzielle Unterstützung von Podcasts, Seiten und Künstlern ist: Luxus, den man sich leisten möchte. Wie genau jeder für sich diesen Luxus definiert, ist vollkommen subjektiv und manche können ihn sich eher leisten, als andere.

Jup, und wenn du mir dabei helfen willst, dass ich im nächsten Jahr vielleicht Superlevel bei Patreon unterstützen kann, dann stimme doch bitte für mein Spiel auf Steam Greenlight ab, bzw. kaufe es, wenn es irgendwann im Januar rauskommt (sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen).

Was Paywalls und Exklusivinhalte angeht, muss man auch immer noch etwas abwarten. Zum Beispiel war ich bei RockPaperShotgun auch nicht wirklich begeistert, als sie das eingeführt haben. Allerdings hat sich dann recht schnell gezeigt, dass deren Supporter Programm die Seite tatsächlich bereichert hat.


#37

Interessanter Nebeneffekt: Statt der schätzungsweise 5.000 - 10.000 Hörer_innen einer Brunchfolge kommt man dann auf die (aktuell) 200 Patreons. Bei aller Kritik inkl. meiner kann ich den Schritt aber nachvollziehen. Wenn sich über einen sehr langen Zeitraum nichts bewegt in Bezug auf die Unterstützung, liege Änderungen dieser Art nahe. Geht uns ja recht ähnlich.


(Constantin) #38

Volle Zustimmung!

Abstimmung ist getätigt, Kauf überlege ich mir, wenn’s dann fertig ist. Grundlegend erstmal meine Kategorie Spiel :slight_smile: DIe Musik erinnert mich an Zool vom Amiga :wink:


(Daniel) #39

Gamewirtschaft.de schreibt wieder über Patreon und Podcasts:

Spätestens seit dem Patreon-„Markteintritt“ von Stay Forever ist ein Kampf um die Budgets der Zielgruppe entbrannt. […]

Das Business-Modell basiert in allen Fällen auf dem Freemium-Ansatz: Die meisten Inhalte sind kostenlos hör- und downloadbar, Zusatz-, Sonder- und Premium-Folgen gibt es exklusiv für Abonnenten. […]

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie viel Luft das Podcast-Segment noch nach oben hat.


(Alex) #40

Fünf Euro sind vielleicht nicht viel im Monat. Aber 5 EUR hier, 5 EUR da, der Podcast dort drüben will von mir auch 5 EUR, dann noch 3 EUR für einen Webcomic. Da kommt schon was zusammen und es ist nicht unbedingt die mangelnde Zahlungsbereitschaft sondern auch die wachsende Konkurrenz. Ich kann mir nicht vorstellen das sich Insert Moin mit der Entscheidung einen Gefallen getan hat.