Superlevel Intim #004: Game Over, Superlevel!


(Constantin) #41

Nur schnell zwischen Tür und Angel:
Es ist wie mit den spannenden Bands ohne Major Vertrag. Spielen sich den Arsch ab, sind produktiv und machen gute Musik. Nach Jahren des langsamen Aufstiegs und der fehlenden Kohle, löst man sich auf, weil man keine Kraft mehr hat. Oder man landet beim Major oder/und hat Glück. Oder man passt sich an und macht Musik, die mehr Leute interessiert.

Anderes Beispiel wäre die Gentrifizierung in den Innenstädten und die Macht von Amazon. Da gibt es viele kleine Läden in der Stadt (Plattenläden, Comics, other special interest), die halbwegs von ihrem Umsatz leben können. Dann muss die Stadt ‘schöner werden’ oder in einem anderen Stadtteil wird ein fetter Konsumpalast gebaut, und schon ist die Miete höher oder die Kundschaft kleiner. Amazon liefert schnell und günstig und… Hey wo ist denn der coole Comic laden geblieben? :open_mouth:

Superlevel hatte einen Anspruch und eine Haltung, welche für den deutschsprachigen Markt nicht genug Leute erreichen konnte. Leider. Das ist nicht ein Fehler von Superlevel, wurde aber zu ihrem Problem.

Und nach acht Jahren auf Tour, ca. 100 verkauften Platten und keinem TopTen Hit (aber vielen Achtungserfolgen) in der deutschen Schreiberlandschaft entschied sich die Band SUPERLEVEL zu einer erstmal endgültigen Schaffenspause. Sänger Fabu arbeitet nun an seiner Solo Karriere, die Band will es nochmal in einer anderen Konstellation versuchen.

(Erinnert mich ein wenig an Hot Water Music, Chuck Reagan und The Draft… Und warte auf die Reunion in ca. vier Jahren)

An dieser Stelle sei noch an einen melancholischen Song von Sport erinnert. Bitte die sechs Minuten investieren.

Danke Superlevel, danke an alle Autoren, Programmierer, Leser und Patronen, ich bin froh zumindest einen kurzen Weg mit Euch gehen zu dürfen und hänge weiter hier ab, so schnell lasse ich von diesem Forum (und euch) nicht ab.


(Constantin) #42

… Von wegen schnell zwischen Tür und Angel… Pffft. :zipper_mouth_face:


(Henrik) #43

Eine schwere quietschende Doppeltür! :smiley:


(Oliver) #44

Da fällt mir aber doch noch etwas auf: Behalten alle Patronen, die bis einschließlich Juli dabei waren, ihren roten Superlevel-Button? So als Erinnerungszeichen? Oder entfällt der automatisch, wenn die Patronenschaft endet?


(Daniel) #45

Jetzt muss auf Stichwort auch nochmal melodramatisch werden… In the backwaters beyond fables and years is freedom in moving on.


(Oliver) #46

… so wie diese hier?


(Alex Galax) #47

Ich bin sonst eher ein stiller Beobachter, möchte jetzt aber auch mal meinen Senf dazugeben.

An erster Stelle finde ich es auch schade, dass Superlevel dicht macht. Da das Forum erhalten bleibt, kann ich das aber gut verschmerzen. Um ehrlich zu sein, war das Forum eh immer meine erste Anlaufstelle, vor dem Blog/Magazin. Und da sind wir auch schon bei dem Problem, vor dem auch ich mich veranworten muss.

Ich habe eure Artikel eigentlich nur dann gelesen, wenn mich das Spiel oder Thema dazu interessiert oder interessieren könnte. Ich bin generell lesefaul und merke, dass ich bei längeren Texten selbst dann schnell ins Überfliegen abdrifte. Das ist wahrscheinlich der Gewohnheit des Konsumverhaltens geschuldet. Ich lese generell nur noch selten, meistens wenn ich wirklich Langeweile habe, z.B. auf einer Zugfahrt (ja, das ist schon auch irgendwie traurig). Und ich denke da bin ich nicht der einzige. Yoututbe, Twitch, Netflix, Fernsehen ist doch viel einfacher zu konsumieren. Deswegen mochte ich eure Videoformate, Podcasts und ganz vorne die Jazzensionen immer am liebsten. Warum sollte ich also eure Artikel lesen?

Als Alleinstellungsmerkmal habt ihr u.a. euren ganz eigenen Anspruch. Das Problem ist, dass sich dieser oft nur “euresgleichen” erschließt. Also Interessierten, die aus verschiedenen Gründen eh schon in der Materie sind. Da bin ich als Casual-Gamer der mal über den Tellerand schauen möchte, oft draußen. Die Zielgruppe die ihr damit ansprecht, ist meiner Meinung nach zu klein. Natürlich schmunzel ich auch über die oft witzig geschriebenen Texte und weiß den vielfältigen kreativen Output zu schätzen, weshalb ich mich auch dazu entschieden habe, den längst überfälligen Beitrag zur Patreon-Kampagne zu leisten. In der Hoffnung, das in Zukunft auch mehr Inhalte für mich dabei sind. Oder sich mir die Relevanz der ernsten/meta/elitären Themen irgendwann erschließt. Umso bedauerlicher, dass sich das jetzt erledigt hat.


(Constantin) #48

Tl;dr :joy:
(Habe es natürlich komplett gelesen, aber ich konnte nicht anders… No pun intended)


(Steven) #49

Ich weiß noch gar nicht was ich schreiben soll.

e: Vielleicht erst Mal ein “Danke!”.
Oder besser, ein fettes “Danke!”.

e2: also für das Geleistete, nicht für die Schließung


(Martin) #50

Wo findet eigentlich der Leichenschmaus statt? Oder wird es keinen geben…? Oder gibt es doch einen aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit…

p.s.: Sau schade


(Kevin) #51




Och menno. :frowning:
Als ich euch entdeckt habe, kam sofort die Patreo-Kampagne dazu;
ich habe alle eure Artikel, jeden Thread und alles, wo Superlevel dran stand, gelesen oder gehört.

Aber, man sollte nicht trauern, über die Zeit, die jetzt ohne Superlevel kommen mag;
sondern die Zeit feiern, die man mit Superlevel verbracht hat!
Danke für die schöne Zeit. :,D



(Joe Köller) #52

Was soll ich sagen? Dass Superlevel nicht mehr weitergeführt wird ist traurig, aber leider überraschen mich solche Nachrichten mittlerweile nicht mehr. Über Spiele zu schreiben bringt per se schon so ein paar Frustrationen mit sich, dazu noch der Aufwand an Motivation und Organisation den ein solches Projekt verlangt, es ist für mich auf jeden Fall nachvollziehbar sich irgendwann von selbstgeschaffenen Strukturen und Erwartungshaltungen befreien zu wollen. Wenn man Freizeit investiert muss es sich zumindest emotional irgendwie lohnen: entweder weil es vorwärts geht oder man machen kann, was auch immer man will, aber das Gefühl von Stagnation nervt extrem.

Klar auch, dass man in erster Reaktion auf Fehlersuche geht und überlegt was man anders hätte machen können, ich sehe im Rückblick aber wenig Anlass für Kritik, sondern eher für Lob: Ihr wart in dem was ihr gemacht habt extrem erfolgreich, vielleicht eben sogar so erfolgreich, dass ihr euch auf lange Sicht selber abgeschafft habt. Als ich 2011 angefangen hab Superlevel zu lesen, wart ihr in vielen Fällen die erste oder einzige Seite, die über ein Spiel berichtet hat, deswegen war ich oft hier um das neueste coole Zeug zu sehen, von dem man sonst nirgendwo hört.

Indem ihr das so lange und so gut gemacht habt, habt ihr eure Themen mit der Zeit in den Mainstream gebracht. Auch wenn der Trend generell in Richtung Indie-Berichterstattung ging, glaube ich dennoch, dass ihr viel dazu beigetragen habt die Sichtbarkeit von Indie-Spielen zu erhöhen, gerade was die deutschsprachige Landschaft angeht. Von dem Wissensschatz und dem Personal, das ihr aufgebaut habt, profitiert die gesamte Szene nach wie vor und mittlerweile sind wir auch dank euch an einem Punkt, wo es für große Seiten selbstverständlich geworden ist neue Early-Access Kleinprojekte aufzugreifen. Weil ihr es geschafft habt eure Themen so weit zu verbreiten, seit ihr halt leider gleichzeitig als eigenes Medium “unwichtiger” geworden. In jüngerer Vergangenheit denke ich mir beim Lesen nicht mehr “Oh, davon hab ich noch nie gehört” sondern eher “Ah, die haben jetzt auch ihren Test zu XY fertig”. Genau genommen ist es aber irgendwie auch euer Verdienst, dass ich mich schon anderswo über das neueste Indiezeugs informieren konnte und wollte.

Was ich damit sagen will: bei aller Spekulation über Publikumsgeschmack und wandelnde Märkte sollte nicht vergessen werden, dass ihr viel erreicht habt, viel bewegt und viel geprägt. Ich habe es euch über die Jahre zum Beispiel immer hoch angerechnet, dass ihr konsequent intelligente Gegenstimmen gesetzt habt, wenn sich die Szene mal eine fragwürdige Aktion geleistet hat. Das war bei eurem Publikum nicht unbedingt immer populär und an anderen Orten wart ihr wohl auch als Moralapostel verschrien, aber damit wart ihr immer eine wichtige Instanz. Was das angeht hat sich gefühlt in den letzten Jahren die Szene auch ein wenig beruhigt, was man denke ich ruhig als Zeichen erzieherischen Erfolgs deuten kann.


(Z.) #53

(Oliver Lindau) #54

Kurz gesagt: Ich werde Superlevel vermissen. Genauso, wie ich auch andere Formate vermisse, die einen eigenen, persönlichen Blick auf das Medium Spiel richten bzw richteten. Kneift schon im Bauch.


(MarcTV.de) #55

Sehr schade. Aber heutzutage über Spiele schreiben und Geld dafür bekommen ist ohnehin schwer. Am besten man das einfach nur aus Spaß.

Aber ihr seid ja nicht die einzigen :confused: gibt überhaupt noch Gaming Blogs von damals?


#56

(Pascal) #57

[quote=“MarcTV, post:55, topic:2555”]
Aber ihr seid ja nicht die einzigen :confused: gibt überhaupt noch Gaming Blogs von damals?[/quote]

Polyneux gibt’s in Urform seit 2004, unter dem Namen seit 2008. Sonst fällt mir jetzt auch keine “alte Garde“ mehr ein…^^


(Daniel) #58

Zockwork Orange wurde auch 2009 gegründet und im Podcast habe ich I Know Your Game ebenfalls für jünger gehalten als sie sind. Was war 2009 los? Gute Stimmung zum Blog gründen scheinbar.


#59

Was war 2009 los? Gute Stimmung zum Blog gründen scheinbar.

Ja, war ein guter Jahrgang. pressakey.com ging ebenfalls 2009 an den Start. Der Blog von Sven Polygamia ist glaube auch aus der Zeit. Viele andere sind leider, aus diversen Gründen, von der Bildfläche verschwunden …


(MarcTV.de) #60

Ich habe mal nachgeschaut. Auf MarcTV hatte ich den ersten Gaming-Artikel 2005 am Start. 2009 war aber die Hauptzeit der XBOX 360. Da hat es einfach Bock gemacht HD Bilder in seine Beiträge zu packen weil es plötzlich so geil ausgesehen hat. =)